Soul - Discographie von Wendy & Lisa
Um möglicherweise aufgebrachte Soul-Puristen gleich zu besänftigen: Ihr habt recht, Wendy & Lisa haben an dieser Stelle nichts verloren ... eigentlich nicht ;-) Denn die beiden Musikerinnen der ehemaligen Prince-Begleitband „The Revolution” haben auf ihren bisher vier Alben eine Fülle Songs veröffentlicht, die ich auch nach etlichen Jahren noch nahezu uneingeschränkt feiere und die mir oft genug in einer Weise unter die Haut gehen, wie ich das nur von „klassischen” Soul-Künstlern kenne.
Im deutschsprachigen Teil des Internets finden sich nur wenige Sätze zu Wendy & Lisa, zumeist lediglich in Zusammenhang mit Prince und aktuell in einem Nebensatz zur TV-Serie „Crossing Jordan” (sie zeichnen für die Musik zu dieser Reihe verantwortlich). So gesehen, treibt mich auch ein gewisser missionarische Eifer an, das große musikalische Talent des Duos herauszustellen.
Gitarristin Wendy Melvoin und Keyboaderin Lisa Coleman kennen sich von Kindesbeinen an, ihre Väter beide bekannte Studio-Musiker waren eng befreundet. Bereits auf der dritten Prince-LP „Dirty Mind” ist Lisa vertreten, auf Prince’ erstem Mega-Seller „1999” schließlich auch Wendy. Nach dem Aus der „Revolution” zauderten beide nicht lange und beschlossen, komplett unter eigener Flagge zu segeln.
Schon auf dem ersten Solo-Werk wird deutlich, welche Begabung Mister Prince Rogers Nelson da abhanden gekommen war: ausgereiftes Songwriting mit Gespür für die „richtige Stimmung” ob melancholisch oder flippig, ob leicht dahinfleißend oder kraftvoll zupackend ... Dabei bedienen sich Wendy & LIsa wie selbstverständlich aus verschiedenen musikalischen Ecken, verrühren Rock, Folk, Funk, Soul, Jazz usw. zu einem höchst eigenständigen, labenden Pop-Cocktail. Zeigt das Debüt noch Producing-Schwächen, reifen Wendy & Lisa auch auf diesem Gebiet mit den nächsten beiden Alben zusehens.
Seit Beginn der 90-er Jahren produzieren Wendy & Lisa für andere Künstler (u.a. Seal), schreiben Soundtracks für Spielfilme (u.a. „Dangerous Minds”) und Serien (s.o.), unterbrochen 1998 vom vorerst letzten Longplayer. „Girl Bros.” fällt im Vergleich zu den Vorgängern etwas aus dem Rahmen, klingt das Album doch wie nicht fertig produziert, wie ein Demotape für gute Bekannte. Anlass für dieses "private" Album, so die Meinung einiger Kritiker, sei der Tod von Wendys Bruder Jonathan Melvoin gewesen (Begleitmusiker der Smashing Pumpkins).
Ich habe der Discographie auch das Remix-Album „Re-Mix-In-A-Carnation” zugefügt (wurde 2003 wiederveröffentlich), da es, wie ich meine, durchaus gelungene Variationen einiger Wendy & Lisa-Hits zu Gehör bringt.